Testlab BOCOM: Was wir gelernt haben (2)

19.05.2021

Matthias Schultze, GCB German Convention Bureau e.V.

Spätestens seit März 2020 gibt es mit der Corona-Pandemie für die Veranstaltungsbranche kaum ein anderes Thema, und ohne Zweifel bedeutet diese globale Ausnahmesituation für Event Professionals einen spürbaren Wandel. Allerdings gab es auch schon vorher einen weitreichenden Megatrend, der bei der Organisation von Events eine zunehmend zentrale Rolle spielte. Stichwort: Nachhaltigkeit. Wie gehen wir in der Eventbranche mit der Herausforderung des Klimawandels um? Wie gestalten wir so umweltfreundlich, sozial und wirtschaftlich nachhaltig wie möglich?

Beim hybriden und räumlich verteilten Kongress "BOCOM - Experience Borderless Communication", den das GCB German Convention Bureau e.V. gemeinsam mit Partnern im September 2020 veranstaltete, um einen praktischen Blick in die Zukunft von Events zu werfen, wurde daher auch die ökologische Nachhaltigkeitsperformance der Veranstaltung untersucht und - im Zusammenspiel mit Erfolgsfaktoren für Teilnehmer*innen - wissenschaftlich ausgewertet. Das Ergebnis: Hybride und räumlich verteilte Formate sind eine gute Lösung für nachhaltige Veranstaltungen, die insbesondere eine sehr gute Wissensvermittlung garantieren.

Der ökologische Fußabdruck: BOCOM im Detail
Im Rahmen der von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Analyse wurde der BOCOM-Kongress mit seinen verschiedenen Elementen (zentraler Veranstaltungshub in Berlin, dezentrale Hubs in Europa, virtuelle Teilnehmer*innen) einer modellierten, konventionellen Veranstaltung gegenübergestellt, bei der von einem rein physischen Veranstaltungsumfeld in Berlin ausgegangen wurde. Diese modellierte Veranstaltung schlug insgesamt mit 19 Tonnen CO2-Äquivalenten (CO2e) zu Buche, während die hybride BOCOM-Veranstaltung an ihren verschiedenen physischen Orten und mit den virtuellen Teilnehmer*innen auf 12 Tonnen kam. Mit knapp über 78 Prozent wurde hierbei der Großteil der Gesamtemissionen der Veranstaltung durch den zentralen Hub (115 Teilnehmer*innen) in Berlin verursacht. Die drei alternativen Veranstaltungsorte Essen, Amsterdam und Wien (77 Teilnehmer*innen) sind in Summe für 18,97 Prozent der Gesamtemissionen verantwortlich. Für die virtuelle Teilnahme mit 240 Personen wurden 3,88 Prozent festgehalten.

Emissionen pro Teilnehmer*in
Zusätzlich zur Betrachtung der absoluten Emissionen pro Eventformat zeigen auch die Ergebnisse pro Teilnehmer*in eine positive Bilanz für die hybride Organisation: Während sich die Gesamtemissionen pro Teilnehmer*in für die modellierte konventionelle Veranstaltung auf rund 88 kg CO2e belaufen, liegt die BOCOM hier bei nur rund 28 kg CO2e. Das bedeutet, dass im Vergleich der jeweiligen Eventformate mit der Realisierung der BOCOM eine Reduktion von gut 60 kg CO2e pro Teilnehmer*in (68 Prozent) erreicht werden konnte.

Analyse verschiedener Emissionsfelder
An welchen Stellen müssten Veranstalter besonders ansetzen, um den ökologischen Fußabdruck ihrer Events zu verkleinern? Die Auswertung zeigt hier ganz klar - und wenig überraschend - Mobilität und Übernachtungen als die größten Emissionstreiber. Mobilität ist mit 7,3 bzw. 13 Tonnen CO2e der jeweils größte Emissionsposten der BOCOM sowie der modellierten Veranstaltung in Berlin. An zweiter Stelle folgen die Übernachtungen mit 2,1 Tonnen für die BOCOM und 3,6 Tonnen CO2e für die analoge Modellveranstaltung in Berlin. Unser hybrides Event reduziert also für beide Aspekte die Umweltbelastung.

Fazit: Nachhaltigkeit und Veranstaltungsziele sinnvoll kombinieren
Die vergleichende Bewertung der beiden Eventformate räumlich-verteilt und analog ergibt, dass eine dezentrale und digitale Durchführung die Treibhausgasemissionen signifikant reduzieren kann. Besonders positive Effekte sind dabei in den Bereichen Mobilität und Übernachtungen zu erzielen, die durch die physische Anreise bzw. Anwesenheit der Teilnehmer*innen bei rein analogen Veranstaltungen sonst eher zu den emissionsintensiven Bausteinen zählen. Auch zeigt sich, dass der Energieverbrauch (insgesamt 0,39 Tonnen CO2e) bei der hybriden Organisation nur geringfügig steigt und der notwendige umfassende Technikeinsatz diesen nicht, wie man es erwarten könnte, massiv nach oben treibt. Damit ermöglicht Hybridität durch die virtuelle Teilnahme eine enorme Reichweitenerhöhung bei nur vergleichsweise geringem zusätzlichem Energiebedarf.

Mit dem isolierten Blick auf den Aspekt ökologischer Nachhaltigkeit allein ist es allerdings nicht getan, wenn es Ziel sein soll, eine erfolgreiche Veranstaltungen zu organisieren, die alle Teilnehmer*innen inspiriert. Die BOCOM-spezifische Analyse der Erfolgsfaktoren für Veranstaltungen hat gezeigt, dass die reine Wissensvermittlung auch im virtuellen Umfeld und damit in einem hybriden Veranstaltungsformat gut funktioniert. Mehr Nachhaltigkeit, wie sie mit hybriden Events erreicht werden kann, steht erfolgreichen Veranstaltungen aus Perspektive der Wissensvermittlung also nicht im Wege. Das bei Events so entscheidende Networking genau wie die positive Disruption des Alltags funktionieren allerdings nach wie vor - auch das ergab die Analyse - besser in einem physischen Umfeld. Für Veranstalter bedeutet das: Die Maxime der Nachhaltigkeit muss sorgfältig mit den Veranstaltungszielen abgewogen werden. Gleichzeitig können Veranstalter bei physischen Veranstaltungen, wenn Austausch und Vernetzung im Mittelpunkt stehen sollen, über die genaue Prüfung von Location und Partnern hinsichtlich der Energieeffizienz Einfluss auf die Nachhaltigkeit nehmen.

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