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19 Jun 2018

Sechs Thesen zu den Auswirkungen der Plattformökonomie in der Tagungs- und Kongressbranche

Digitale Transformation als Herausforderung und Chance begreifen

Die Platttformökonomie bestimmt unser Leben in erheblichem Maße, ohne dass wir uns dessen wirklich bewusst sind. YouTube, Google, Facebook, Amazon, um nur ein paar Beispiele zu nennen – die weltweit erfolgreichsten digitalen Unternehmen sind alle Plattformen. Die Plattformökonomie ist somit das zentrale Geschäftsmodell der digitalen Wirtschaft oder „das Herzstück der digitalen Revolution“.

 

Von Matthias Schultze

Wenn Kunden und Anbieter auf einer digitalen Plattform problemlos aufeinander treffen können, hat das viele Vorteile und wirkt gleichzeitig disruptiv auf den Status Quo. Für die Tagungs- und Kongressbranche wird die Plattformökonomie zur entscheidenden Herausforderung der digitalen Transformation, sie kann aber auch entscheidende Chancen bieten. 

Sechs Thesen zu den Auswirkungen auf unsere Branche:

1. The Winner Takes it All! 

Genau wie in anderen Branchen werden sich auch in der Tagungs- und Kongressbranche aus vielen Meetingportalen wenige marktbeherrschende Plattformen kristallisieren und die Margen aller anderen Marktteilnehmer reduzieren. 

Diese Marktkonsolidierung hat z. B. im Bereich der Hotelzimmerbuchung schon eingesetzt, hier beherrschen im Wesentlichen einige wenige Portale.

Diese Plattformen werden sich in allen Bereichen der Branche gewerkeübergreifend etablieren und Nutzerbedürfnisse als ein Anbieter abdecken. D. h. neben Unterkunft und Location werden auch Transport, Hospitality/Catering, Erlebnisinhalte und Rahmenprogramme, Inhalt (Referenten und Moderation) sowie diverse Kleingewerke über EINE Plattform angeboten. 

Große Marktmacht wird sich so in wenigen Portalen konsolidieren und die Margen der anderen Marktteilnehmer reduzieren:  im Sinne von „The winner takes it all“.

2. Neue Player kommen nicht aus der Branche

Die Anbieter der Plattformen werden nicht aus der Tagungs- und Kongressbranche kommen, sondern neutrale Anbieter sein, die häufig aus dem Technologie und E-Commerce Business Umfeld kommen. Diese verfügen zwar nicht über Branchen Know How (Produkte und Dienstleistungen), dafür allerdings über das Wissen, wie in einer Digitalen Welt schnell und effizient vermarktet wird und welche Anforderungen Kunden haben. Ohne selbst Anbieter und Teil der Branche zu sein, können sie ein möglichst breites Angebot neutral und unvoreingenommen zur Verfügung stellen.  

Auch müssen sie kein bestehendes Geschäftsmodell sichern und sind dadurch kundenorientierter – Stichwort Customer Centricity! – und erfolgreicher.

 3. Veranstaltungen werden selbst konfigurierbar

Der Endkunde, als jeder, der in einem Unternehmen oder Verband eine Veranstaltung organisieren muss - wird sich sein Event selbst konfigurieren können. Denn Plattformen bringen ein breites Angebot für individuelle Bedürfnisse zusammen, können Templates zur Verfügung stellen und bieten durch intelligente Algorithmen Lösungen, die einen zwischen geschalteten Experten ggf. ersetzen bzw. über die Kenntnisse eines einzelnen Fachmanns hinausgehen. 

Sie kennen das alle von Amazon, kollaborative Filter ersetzen hier zunehmend die Beratung durch den Einzelhandel oder den Buchhändler. 

Im Reisebereich ersetzen Vergleichsportale wie bereits vielfach die Beratung im Reisebüro. Und auch in der Meetingbranche gibt es bereits Meetingportale, die Teilbereiche der Veranstaltungsorganisation abbilden und ihr Portfolio weiter ausbauen. 

4. Das Angebot wird vergleichbar und transparent

Die Plattformökonomie sorgt für hohe Vergleichbarkeit und Transparenz bei der Marktübersicht, denn wie schon oben erwähnt, wird sich das Angebot von wenigen Anbietern gebündelt.  Wenn Kunden alle Angebote an Produkten und Dienstleistungen übergreifend und neutral dargestellt präsentiert bekommen, ermöglicht das optimale Vergleichbarkeit – und vor allem auch einen einfachen Kaufprozess.

Z. B. werden Portale ähnlich wie bei Hotelbuchungen ein Bewertungssystem und eine Feedbackfunktion etablieren und diese Erfahrungsberichte werden den Nutzern eine entsprechende Hilfeleistung bieten.

5. Das Nutzerverhalten ändert sich radikal

Was direkt zum nächsten Punkt führt: Durch Plattformen wird sich das Nutzungsverhalten der Kunden in der Tagungs- und Kongressbranche radikal ändern. 

Es kommt zur Interaktion zwischen dem, was Plattformen anbieten und Kunden nachfragen. Auf diese Weise werden bei den Kunden neue Bedürfnisse geweckt, eine neue Nachfrage stimuliert. 

Die Nutzer werden z. B. schneller und leichter ein Angebot für eine spezifische Dienstleistung oder ein Produkt finden. Dadurch wird z. B. der Vorlauf für Tagungen und Kongresse wird wesentlich geringer sein, da auch in kürzester Zeit über Plattformen passende Angebote vollumfänglich gefunden werden können. Vor allem, weil auch auf Angebotsseite wesentlich einfacher Angebote geschaffen werden können: z. B. eine leerstehende Lagerhalle kann durch den Anbieter als solche ins System eingepflegt werden und das System wiederrum erkennt das Potenzial und die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten, auf die der eigentliche Anbieter (da Branchenfremd) nicht gekommen wäre. 

6. Data-Profiling wird Erfolgsfaktor

Data-Profiling wird zum Erfolgsfaktor in der Plattformökonomie. Über Analysen, unterstützt durch immer ausgefeiltere Tech-Tools (Stichwort: künstliche Intelligenz), wissen Plattformen, was Kunden wollen.

Intelligente Algorithmen können genau das passende Angebot für den Kunden ermitteln. Durch die Breite des Angebots, Kundenprofile, Erfahrungswerte- und berichte kann die Plattform selbstständig Angebote generieren, die den Erwartungen oder Anforderungen der Kunden entspricht. Darüber hinaus schlägt das System aufbauend auf dem Profil des Users künftig alternative Locations, Veranstaltungsformate oder Destinationen vor, die der Kunde sonst nicht berücksichtigt hätte.

Die Erfüllung individueller Bedürfnisse steht im Mittelpunkt.

Wie schnell sich die Dinge in der digitalen Transformation bewegen, haben wir in den letzten Jahren eindrucksvoll vorgeführt bekommen. Das GCB nimmt sich dem Thema an und untersucht gemeinsam mit den Kooperationspartner EVVC und VDVO und dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO die Chancen und Herausforderungen der Plattformökonomie für die Branche.

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