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Green
03 Nov 2014

Der Motor „Nachhaltigkeit“ treibt die MICE-Branche an

Immer mehr Firmen übernehmen gesellschaftliche Verantwortung. Auch in der Veranstaltungsbranche hat sich nachhaltiges Wirtschaften als Zukunftsthema etabliert. Anbieter, die ihr geschäftliches Handeln an Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit ausrichten, profitieren auf ganzer Linie.

Nachhaltigkeit ist „in“. Angesichts von Klimawandel, Wirtschaftskrise und Globalisierungskritik orientieren sich Verbraucher zunehmend an Werten wie Umweltfreundlichkeit oder sozialer Gerechtigkeit. Sie essen Bio-Lebensmittel, tragen fair produzierte Kleidung, nutzen Car-Sharing-Angebote oder Ökostrom. Das gestiegene Bewusstsein für Fragen der Nachhaltigkeit spiegelt sich in verschärften gesetzlichen Umweltauflagen und Sozialstandards sowie in kritischen Medienberichten, etwa über fragwürdige Produktionsmethoden. Vieles spricht also dafür, dass sich das Leitbild einer „nachhaltigen Entwicklung“ bis zum Jahr 2030 als Mainstream etablieren wird.


Auch die Wirtschaft hat auf diesen Wertewandel reagiert. Immer mehr Unternehmen übernehmen im Zuge nachhaltigen Wirtschaftens gesellschaftliche Verantwortung. Corporate Social Responsibility (CSR), der freiwillige, weit über gesetzliche Vorgaben hinaus reichende Einsatz für die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit im Rahmen des Kerngeschäfts, wird für Großkonzerne wie Mittelständler aller Branchen zunehmend wichtiger. Viele Unternehmen beschäftigen inzwischen CSR-Manager, um ihre Maßnahmen in diesem Bereich gezielt zu steuern.

 

Werte schaffen Wettbewerbsvorteile

Die Aspekte Ökonomie, Ökologie und Soziales bilden die Dimensionen von Nachhaltigkeit. Ökonomisch nachhaltig agieren Unternehmen, die sich fair gegenüber ihren Lieferanten und Kunden verhalten. Maßnahmen für den Umweltschutz stehen für ökologische Nachhaltigkeit. Die soziale Komponente wiederum umfasst sowohl das gesellschaftliche Engagement an den Unternehmensstandorten als auch den fairen, unterstützenden Umgang mit den Mitarbeitern.


Insgesamt hat sich CSR zu einem handfesten Wettbewerbsvorteil entwickelt. „Potenzielle Mitarbeiter erkundigen sich, wie es ein Unternehmen mit CSR hält, Verbraucher kaufen eher Produkte eines CSR- und nachhaltigkeitsorientierten Unternehmens. Selbst 15 Prozent der Kapitalanleger der Börse investieren ausschließlich in Unternehmen, deren CSR-Engagement glaubhaft ist“, sagt Wolfgang Scheunemann, Geschäftsführer des auf CSR und Nachhaltigkeit spezialisierten Beratungsunternehmens dokeo mit Sitz in Stuttgart und Veranstalter des „Deutschen CSR-Forums“.

 

Die Zeichen stehen auf grün

Auch in der Veranstaltungsbranche ist Nachhaltigkeit ein zentrales Thema, welches in Zukunft immer mehr an Bedeutung annimmt. Unter dem Schlagwort „Green Meetings“ werden Live-Kommunikationsmaßnahmen, Kongresse, Messen und Tagungen immer häufiger unter umweltfreundlichen Gesichtspunkten geplant und durchgeführt. Regionales oder saisonales Catering, abfallvermeidendes Mehrweggeschirr, energiesparende Technologien oder die klimaverträgliche Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln gehören vielerorts zum Standard. Aber auch soziale Aspekte wie die Mitarbeitergesundheit sowie nachhaltiges wirtschaftliches Handeln rücken in den Fokus.


Denn: Unternehmen, die sich an CSR-Prinzipien orientieren, legen bei der Auswahl von Veranstaltungsorten sowie von Messe- und Eventdienstleistern Wert auf Kompetenzen und Referenzen in diesem Bereich. Sie erwarten Veranstaltungen, die in der gesamten Angebotspalette nachhaltig ausgerichtet sind.

 

Rückhalt des Managements ein Muss

Wie sich Investitionen in Nachhaltigkeit auszahlen, zeigt das „Kongress Palais Kassel“. Das Tagungszentrum wurde im Jahr 2009 als erstes Veranstaltungshaus in Deutschland nach dem Nachhaltigkeitsstandard „Green Globe“ zertifiziert und spielt damit eine Vorreiterrolle in der Branche. Das überzeugte das international renommierte Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie auf Anhieb: Das Forschungsinstitut richtete seine erste bundesweite Konferenz „Energiewende. Aber fair!“ im Sommer 2013 im „Kongress Palais Kassel“ aus – eine erstklassige Referenz für das Haus.

 
„Nachhaltigkeit ist heutzutage für die Kongress- und Tagungsbranche ein wichtiges Anliegen, da nachhaltige Tagungen ein starkes Wachstum am Markt verzeichnen“, betont Slawa Dallalah, Koordinatorin der Conference Affairs Services im Sekretariat der UN-Klimarahmenkonvention. Strategisch geplante Maßnahmen lohnen sich also. Unternehmen profitieren auf ganzer Linie, wenn sie ihre Geschäftsprozesse nach entsprechenden Prinzipien ausrichten, davon ist Wolfgang Scheunemann überzeugt: „Wer CSR richtig macht, wird effizienter und widerstandsfähiger und spart Geld. Wichtig ist, dass CSR von der Geschäftsführung gewünscht ist und ernsthaft angegangen wird“, sagt er.

 

Positives Image zieht Fachkräfte an

Den meisten Unternehmen der MICE-Branche ist das bewusst, wie das Meeting- und Eventbarometer 2014 zeigt. 82 Prozent der für die Studie befragten Anbieter und 66 Prozent der Veranstalter sind sicher, dass es zunehmend wichtiger wird, bei Kongressen, Tagungen und Events nachhaltige Komponenten zu berücksichtigen.


Das positive Image, das sich Unternehmen mit authentischen CSR-Initiativen aufbauen, macht sie zudem als Arbeitgeber attraktiv. Denn auch in der MICE-Branche wird es angesichts des Fachkräftemangels immer schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. „Hier können und müssen wir zum Beispiel mit familienfreundlichen Arbeitsmodellen entgegenwirken. Regelmäßige Fortbildungen der Mitarbeiter helfen zudem, den hohen Standard unseres Angebots zu halten“, betont Joachim König, Präsident des EVVC – Europäischen Verbands der Veranstaltungs-Centren e. V.


Verbesserungspotenzial im Bereich sozialer Nachhaltigkeit besteht in Teilen der Branche durchaus, etwa im Hinblick auf Zeitarbeitsverhältnisse oder die Bezahlung der Beschäftigten. „Gerade im Eventbereich mit seinen Arbeitszeiten zu jeder Tages- und Nachtzeit sind die Berücksichtigung der Work-Life-Balance und der Schutz vor Burn-out sehr wichtig“, unterstreicht CSR-Experte Wolfgang Scheunemann den Handlungsbedarf.

 

Fit durch Fortbildungen

Hilfe bei diesen Herausforderungen bieten unter anderem die Branchenverbände. Als gemeinsame Richtlinie für nachhaltiges unternehmerisches Handeln im Veranstaltungsbereich dient etwa der Kodex „fairpflichtet“, den der EVVC und das German Convention Bureau e. V. (GCB) im Mai 2012 gemeinsam initiierten. Seither haben sich über 400 und deren Mitgliedsunternehmen aus allen Bereichen der Branche angeschlossen.
Um Unternehmen dabei zu unterstützen, Transparenz und Integrität zur Grundlage ihres Handelns zu machen, konzipierte das GCB zudem einen Ethik-Code sowie Compliance-Richtlinien. Darüber hinaus bietet der Verband Fortbildungen zum „Nachhaltigkeitsberater in der Veranstaltungsbranche“ an. Gut 300 Veranstaltungsplaner aus Verbänden, Hotels, Tagungszentren und Agenturen ließen sich in den vergangenen drei Jahren für CSR und Nachhaltigkeit fit machen.

 

Erfahrungsaustausch mit Experten

Gleichzeitig gibt es immer mehr Veranstaltungen zum Thema. Ein praxisorientiertes Forum speziell für die Tagungsbranche bietet die Konferenz „greenmeetings und events“, die im Februar 2015 zum dritten Mal im Frankfurter „Kap Europa“ stattfindet – übrigens dem ersten Kongresshaus weltweit, das von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) das Vorzertifikat in Gold erhalten hat. Auf der Veranstaltung verleihen das GCB und der EVVC den „Meeting Experts Green Award“ an nachhaltige Projekte im MICE-Bereich.


Orientierung und Erfahrungsaustausch bietet seit fünf Jahren auch die „Werte 2.0“ in Montabaur, inzwischen ein etablierter Treffpunkt für Führungskräfte aus der Veranstaltungsbranche. Hier stehen traditionelle ethische Werte im Mittelpunkt. In Workshops und Expertenvorträgen geht es darum, wie diese in der schnelllebigen Geschäftswelt von heute umgesetzt werden können.


Branchenübegreifend ziehen Nachhaltigkeit und CSR seit Jahren breite Publikumsschichten an – von Experten bis zu Verbrauchern. So etwa das traditionsreiche „Deutsche CSR-Forum“ in Ludwigsburg, das Wolfgang Scheunemann initiierte. Bei der zehnten Auflage der Konferenz im Mai 2014 diskutierten mehr als 730 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft sowie von Nichtregierungsorganisationen und Medien über Fragen der Nachhaltigkeit. Höhepunkt der Veranstaltung war die Verleihung des „Deutschen CSR-Preises“ für herausragende Leistungen gesellschaftlicher Verantwortung.


Vor allem an Verbraucher richtet sich der „Heldenmarkt“, der 2010 erstmals in Berlin seine Tore öffnete und inzwischen in verschiedenen deutschen Städten stattfindet. Die Konferenz „KarmaKonsum“ in Frankfurt/Main wiederum bietet seit 2007 ein Forum für verantwortungsvolles Wirtschaften sowie nachhaltiges und gesundes Leben. Neben einem Kongress als Leitveranstaltung und dem Open-Space-Format „GreenCamp“ gehört auch die Verleihung des „KarmaKonsum Gründer-Award“ fest zum Programm, mit dem vorbildliche ökologisch-soziale Existenzgründungen ausgezeichnet werden. 

 

Chancen für neue Geschäftsmodelle

CSR bietet Chancen für neue Geschäftsmodelle, wie das Hamburger Start-up „veveko“ zeigt. Die 2012 gegründete Firma richtet CSR-Events für Unternehmen aus und verzeichnet eine steigende Nachfrage. „Wir verbinden Firmenveranstaltungen mit sozialem oder ökologischem Engagement“, schildert Gründer und Geschäftsführer Mathias Fischer die Idee. Er und seine Geschäftspartnerin Julia Ulrichs knüpfen dafür kontinuierlich Kontakte zu Umwelt- und Wohlfahrtsverbänden oder sozialen Einrichtungen. „Wir suchen stets Projekte aus, die zum Kunden passen“, betont Fischer.


Für ein Mobilfunkunternehmen etwa organisierte „veveko“ eine interne Veranstaltung, bei der rund 120 Beschäftigte für einen guten Zweck kräftig zupackten. Statt auf einer Kartbahn Runden zu drehen, halfen sie bei der Renaturierung eines Teilstücks des Elbe-Zuflusses Este. „Solche Aktionen verbinden. Gleichzeitig machen sie das CSR-Engagement des Arbeitgebers erlebbar und damit glaubhafter“, sagt Fischer. So wirke gesellschaftliches Engagement auch firmenintern viel nachhaltiger.

German Convention Bureau

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