Deutsches Nationaltheater Weimar © Andreas Lander

Meeting-Erfolg in der zweiten Reihe: „Second Tier Cities“

Mittlere und kleinere Städte punkten mit Branchenkompetenzen als „Hidden Champions“ 

von Matthias Schultze

Deutschland liegt bereits seit vielen Jahren im internationalen Wettbewerb der Destinationen um Tagungen und Kongresse auf einem hervorragenden Spitzenrang: europaweit auf Platz eins, weltweit nach den USA auf Platz zwei. Ich freue mich sehr darüber, dass zu diesem auch viele mittlere und kleinere Städte – die „Second Tier Cities“ – sind Gastgeber von Tagungen, Kongressen und Events. Einen Hinweis darauf gibt die Statistik der International Congress & Convention Association (ICCA), die international rotierende Verbandskongresse erfasst: Sie listet für das Jahr 2016 rund 30 deutsche Städte auf, in denen mindestens fünf Veranstaltungen dieser Art stattfanden. 

Gute Erreichbarkeit und kurze Wege

Die flächendeckend hervorragende Infrastruktur ist ein Grund dafür, dass Deutschland als Tagungs- und Kongressziel so breit und vielfältig aufgestellt ist. Nicht nur die Metropolen, sondern auch die mittleren und kleineren Städte sind über ein dichtes Netz aus Flughäfen, ICE-Bahnhöfen und Autobahnen gut erreichbar. Und vor Ort profitieren die Tagungsgäste in den „Second Tier Cities“ von kurzen Wegen: Vom Kongresszentrum oder Tagungshotel aus gelangen sie in der Regel zu Fuß in wenigen Minuten zu Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. Mein Gesprächspartner Rajko Görls von der Firma Conventus, einem Professional Congress Organiser (PCO) aus Jena, zeigt einen weiteren Vorteil der kleineren Städte auf: „Auch städtepolitisch ist der Weg ein kürzerer. Ich denke, dass ein Wissenschaftler, ein Initiator eines Kongresses, bei einem ‚Hidden Champion‘ eher mal mit dem Oberbürgermeister sprechen kann als bei einer großen Metropole.“ 

„Second Tier Cities“ überzeugen mit Kompetenzen

Ein weiterer guter Grund für die kleineren Städte: Die föderalen Strukturen in Deutschland sorgen für eine Vielfalt an räumlich verteilten Kompetenzzentren in Wissenschaft und Wirtschaft. Diese Kompetenzen in verschiedenen Branchen bieten ideale Anknüpfungspunkte für Veranstalter, die einen thematisch passenden Kongress ausrichten möchten. Beispiele dafür sind Freiburg mit mehreren Unternehmen der Solarenergie, Heidelberg, das als Medizin-Standort regelmäßig Fachärztekongresse anwirbt, oder Bremen mit Highlights in den Bereichen Luft- und Raumfahrt. 

Klein – aber weltbekannt: das Beispiel Jena

Rajko Görls nennt seine Heimatstadt Jena als weiteres Beispiel für einen kommenden „Hidden Champion“: „Es gibt Zeiss als großes Unternehmen oder auch Schott. Darüber hinaus waren berühmte Wissenschaftler wie Döbereiner oder Novalis sowie die Poeten Goethe und Schiller in Jena. Insofern genießen diese ‚Hidden Champions‘ durchaus einen weltweiten Ruf. Ich glaube, selbst in der ‚Wüste‘ würde man das Zeiss-Logo erkennen.“ Für eine weltweit große Bekanntheit kleinerer deutscher Städte gibt es noch weitere Beispiele: etwa Kassel als Stadt der documenta, Lübeck mit seiner einmaligen historischen Altstadt und als Heimatstadt von Thomas und Heinrich Mann oder Wolfsburg, das vom Volkswagenwerk geprägt ist.

Der wichtigste Markt ist das eigene Land

Obwohl die mittleren und kleineren Städte in Deutschland auch international als MICE-Ziele beachtet werden, ist für sie vor allem der nationale Markt interessant. Das GCB richtet deshalb verstärkt einen zusätzlichen Fokus auf deutsche Veranstaltungsplaner, um die „Second Tier Cities“ zu unterstützen. Im Rahmen der strategischen Erweiterung „GCB@home“ bieten wir zusätzlich zu den Maßnahmen in den internationalen Märkten neue Leistungen und Produkte mit Fokus auf den deutschen Markt an – zum Beispiel mehr Fortbildungsmöglichkeiten oder die Kooperation mit der regionalen „Locations“-Messereihe: Unsere Mitglieder, speziell die mittleren und kleineren Städte, nutzen die Möglichkeit, sich dort zu vergünstigten Konditionen zu zeigen und die für sie relevanten Zielgruppen anzusprechen. 

 

 

Auf einen Espresso mit... Matthias Schultze im Gespräch mit Rajko Görls,

Matthias Schultze, Geschäftsführer des GCB German Convention Bureau e. V. im Gespräch mit Rajko Görls, Geschäftsführer zum Thema „Hidden Champions“. 

Damit punkten die „Hidden Champions“

  • Kompetenzen in Wirtschaft und Wissenschaft sind vor Ort erfahrbar
  • Locations und Hotels sind in der Regel günstiger als in den Metropolen
  • Engagierte, individuelle Betreuung aufgrund der geringeren Zahl an Veranstaltungen und Offenheit für kleine Veranstaltungen
  • Einfache Anreise ohne Verkehrsstaus, Parkplätze in der Regel in unmittelbarer Nähe der Location
  • Kurze Wege innerhalb der Stadt und zu den Erholungsräumen ins Umland 
  • Authentische Erlebnisse in historischen Stadtkernen

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