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Führung in der Veranstaltungsbranche: die digitale Herausforderung

"Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei"

Autor: Matthias Schultze, Managing Director GCB German Convention Bureau e. V.

In den 80er- und 90er-Jahren identifizierte der Harvard Professor John P. Kotter "Leadership" als wesentlichen Erfolgsfaktor für Unternehmen. In seinen Publikationen analysierte er die Unterschiede zwischen Managern und Führungspersönlichkeiten - mit dem Ergebnis: Letztere sind im wesentlichen Visionäre. Während es beim Management um Organisation, Planung und Kontrolle geht, dreht sich Führung darum, Raum für Kreativität, Innovation und Wandel zu schaffen. Was bedeutet all das nun aber für Führungskräfte im heutigen digitalen Zeitalter? Genauer: Wie sieht es in unserer Industrie aus und wie passen wir als Leader in der Veranstaltungsbranche unseren Führungsstil an?

Führungsfähigkeiten

Es gibt zweifelsohne bestimmte Fähigkeiten und Talente, die Führungskräften schon immer zugeschrieben wurden. Kernelemente sozusagen, die sich im Laufe der Jahrzehnte nicht geändert haben. Dazu gehört es, dass Führungskräfte nicht nur eine Vision haben, sondern diese auch klar vermitteln können müssen. Das bedingt wiederum die Fähigkeit, andere motivieren zu können und ein gewisses Maß an Charisma mitzubringen. Leader müssen auch in der Lage sein, Teams zusammenzustellen. Damit das gelingt, müssen sie ihre Leute und deren Talente wiederum genau kennen. Führung bedeutet in diesem Sinne auch, Menschen zu befähigen und in Positionen zu bringen, in denen sie sich entfalten und zum Unternehmenserfolg beitragen können.

Führen, wenn Wandel zur Konstante wird

Werfen wir also auf dieser Grundlage einen Blick auf die aktuelle Situation, mit der sich Führungskräfte in quasi jeder Branche konfrontiert sehen und nicht zuletzt auch im Meetings- und Konferenzgeschäft: Wir müssen in erster Linie mit Wandel umgehen. Nicht nur einmal oder hin und wieder. Nein, Wandel ist zur Konstante geworden. Technologische Forschritte prasseln auf uns ein. Wie wir leben und arbeiten hat sich grundlegend geändert. Und unsere Industrie als Plattform für Wissenstransfer und Networking spiegelt wider, was in der Gesellschaft passiert. Führungskräfte in unserer Branche müssen daher nicht nur in der Lage sein, sich den Änderungen anzupassen. Sie müssen den Wandel antizipieren und aktiv gestalten.

Im Endeffekt bedeutet das folgendes: In unserem digitalen Zeitalter mit dem Fokus auf Globalisierung, Wissen und dem Aufbrechen hierarchischer Organisationsformen müssen sich traditionelle Führungselemente mit neuen Komponenten mischen. Wir kommen nicht drumherum, dass Technologie fester Bestandteil unseres Lebens geworden ist. Leader sollten daher offen und bereit sein, an der digitalen Transformation teilzuhaben und etwas beizutragen - ohne dass dabei der "menschliche Faktor" vernachlässigt wird. Dazu gehört, dass man sich über technische Entwicklungen und deren möglichen Auswirkungen informiert. Mehr als je zuvor, müssen wir als Führungskräfte neugierig und interessiert sein. Unsere Branche bietet dafür das perfekte Umfeld. Nicht nur das: Aufgrund der wesentlichen Natur von Meetings und Konferenzen sollten wir sogar besser als Führungskräfte in anderen Branchen dafür ausgerüstet sein, mit dem ständigen Wandel umzugehen. Networking, Menschen aus aller Welt treffen - das sind wesentliche Quellen (und unser tägliches Brot), um Neues zu lernen, neue Ideen zu entwickeln und die Zukunft zu gestalten: "Offizielle und inoffizielle Netzwerke sind einer der wichtigsten Schlüssel, um sich den Herausforderungen der Digitalisierung erfolgreich stellen zu können. Die Wissensgesellschaft ist zunehmend darauf angewiesen, in Netzwerken zu denken und zu arbeiten. Wir müssen einsehen, dass die Zeit der Einzelkämpfer vorbei ist, als Individuum, als Team, als Unternehmen", betont Karina Kaestner, Leiterin Vertrieb Business Partner bei der DB Vertrieb GmbH, in diesem Zusammenhang.

Kollaboration statt Alleinherrschaft

Kurz noch ein paar Worte zum Thema "Niedergang von Hierarchien" zugunsten von stärker horizontal ausgerichteten Strukturen, die mit der digitalen Transformation einhergehen: Digitalisierung und Bürokratie passen nicht zusammen. Stattdessen seht Kooperation im Vordergrund - und eine neue Generation, die in diesem Zusammenhang andere Ideen und Konzepte hat. Millennials werden in vielerlei Hinsicht die Zukunft der Arbeit bestimmen. Nicht Status oder Macht um ihrer selbst willen, sondern Transparenz, sinnvolle Arbeit und kollaborative Herangehensweise sind für diese Generation wichtig(er). In diesem Kontext dürfen wir auch nicht die neuen Anforderungen nach mehr Interaktion und nach mit Erlebnissen angereicherten Events vergessen, die Teilnehmer zunehmend haben: Vor diesem Hintergrund sollten wir in unserer Branche das Potenzial der Millennials besonders nutzen und passende Rahmenbedingungen schaffen.

Stephen Rose, Marketing & Communications SVP bei Siemens, betont: "Es ist Aufgabe der Führungskraft, das richtige Umfeld zu schaffen, in dem unsere Kollegen Veranstaltungen lebendig werden lassen können, und natürlich müssen wir auch als Mentoren agieren und als jemand, der im aktuellen Transformationsprozess an ihrer Seite ist." Im Gespräch mit Carina Bauer, CEO der IMEX Group, tritt ein weiterer entscheidender Aspekt zum Thema "Was macht eine gute Führungskraft aus" in den Vordergrund: "Man kann in jedem Bereich eines Unternehmens ein Leader sein und in jeder Rolle, in der man ist. Es geht nicht darum, darauf zu warten, bis einem jemand sagt, was man tun soll, sondern darum, selbst Fragen zu stellen und Verantwortung zu übernehmen." Und die Fähigkeit, Mitarbeiter mit diesem "Führungsdenken" führen zu können, ist in unserer veränderten, digitalen Welt essentiell.

Zurück zum Anfang und der Ausgangsfrage, wie wir als Führungskräfte in der Veranstaltungsbranche unseren Führungsstil angesichts den Herausforderungen der digitalen Transformation anpassen müssen: Insgesamt ist unsere Branche gut positioniert, um mit dem ständigen Wandel umzugehen, dem wir uns gegenübersehen. Als digitale Leader müssen wir sicherstellen, den Entwicklungen Rechnung zu tragen, während wir gleichzeitig Mentoren sind und unsere Teams auf dem Weg in die Transformation mitnehmen. Ja, der technologische Fortschritt und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Umwälzungen sind eine Herausforderung, eröffnen aber gleichzeitig spannenden Möglichkeiten - nicht zuletzt dafür, eine bessere Leadership-Kultur zu entwickeln