Spinlab @ Tom Weber, Bertram Schultz

04 Okt 2018

"Made in Leipzig" – ein Ort zum Durchstarten

Leipzig ist Gründerstadt: die Zahl junger, innovativer Start-ups steigt kontinuierlich und kreative Macher finden hier beste Voraussetzungen für die Realisierung ihrer Ideen. Es gibt gute Vorbilder für erfolgreiche Geschäftsmodelle, vielfältige Förderung und ein großes Netzwerk von Partnern auf dem Weg zum Erfolg.

Spreadshirt ist das Paradebeispiel für Start-ups "Made in Leipzig". Gegründet 2002, ist die Garagenfirma heute ein international agierendes Unternehmen mit 500 Mitarbeitern. Die Ausgangsidee: Kunden gestalten die Motive für ihre Kleidung und lassen sie professionell bedrucken. Im Jahr 16 seit Gründung gehört Spreadshirt zu den weltweit führenden E-Commerce-Plattformen für den On-Demand-Druck von Kleidung und Accessoires. Und es gibt weitere Beispiele für Leipziger Erfolgsgeschichten: Mit Food.de wurde einer der größten Online-Supermärkte Deutschlands in Leipzig gegründet, genauso wie die bundesweit zweitgrößte Crowdfunding-Plattform visionbakery. Auch der Titel "Sachsens Start-up des Jahres 2018" ging nach Leipzig, an die "Hero Society", die Jugendlichen hilft, ihre Stärken und Talente zu erkennen, und Unternehmen auf der Suche nach Nachwuchskräften unterstützt.

Professionelle Unterstützung für Gründer

Was Gründen in Leipzig so attraktiv macht? Die Akteure setzen auf Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung. Es gibt Netzwerke, Gründerinitiativen, Coworking Spaces sowie Plattformen für den Austausch und die Förderung von Innovationen. Gemeinsam haben der Kreativraum Leipziger Baumwollspinnerei und die HHL Leipzig Graduate School of Management (HHL) 2014 das „SpinLab – The HHL Accelerator“ gegründet (siehe 3 Fragen an). Seit 2016 engagiert sich in diesem Rahmen auch die Wirtschaftsförderung Leipzig für die Entwicklung und Förderung junger Unternehmen. Mit den Schwerpunkten Energie, Smart City sowie digitale Gesundheitsversorgung hat Leipzig im April 2017 zudem den Zuschlag als einer von zwölf nationalen „Digital Hub“-Standorten vom Bundeswirtschaftsministerium erhalten und soll als einer der wichtigsten Digitalisierungsstandorte etabliert werden.

Auch mit ihrem Unternehmensgründerbüro begleiten die Stadt Leipzig und weitere Partner Unternehmer in Fragen der Existenzgründung, beraten beim Start, in der Planung, bei der Finanzierung, im Verlauf der Stabilisierung und beim weiteren Wachstum. Auf sozial-innovative Ansätze und die Gründer von Sozialunternehmen hat sich das Social Impact Lab spezialisiert. Neugründungen mit universitärem Hintergrund im Bereich Biotechnologie und Life Science finden in der Bio City Leipzig professionelle Starthilfe.

Basislager Cowork @Anne Schwerin
Spinlab @ Tom Weber, Bertram Schultze
Startup Weekend Leipzig 2017 @Anne Schwerin
@ Spreadshirt

Hochschulen als wichtiger Katalysator

Mit ihrer „Accelerate Conference“ bringt die HHL einmal im Jahr Studenten, Start-ups, Unternehmen und Investoren zusammen. Allein von HHL-Absolventen gingen seit dem Jahr 2000 rund 250 Gründungen aus und schon mehrfach rangierte die HHL auf den drei ersten Plätzen des "Gründungsradar" für die besten Gründerhochschulen in Deutschland, ein Ranking von Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und BMWi. Der Gründungsradar zeigt, wie gut Hochschulen Studierende und Wissenschaftler bei ihren Gründungsaktivitäten unterstützen. Darin konnte auch die Universität Leipzig schon punkten, die gemeinsam mit HHL sowie weiteren Leipziger Hochschulen und Forschungseinrichtungen zum Gründernetzwerk SMILE (Selbstmanagementinitiative Leipzig) gehört. Seit 2006 gibt es damit fächer- und hochschulübergreifend Hilfe auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Herausragende Gründungen und innovative Ideen zeichnet SMILE Jahr für Jahr bei der Leipziger Gründernacht aus.

Vielfältiger Austausch für Gründer

In Coworking Spaces wie dem „Basislager“ finden Gründer moderne Infrastrukturen sowie den Raum für Austausch und Weiterbildung. Als Schnittstelle für Gründer, Behörden und Initiativen der Stadt fungiert auch das Online-Portal „Startup!Leipzig“ mit Informationen zu Veranstaltungen, Ausschreibungen, Fördermöglichkeiten und Gründerporträts. Events wie die Startup Safari geben besondere Einblicke in den Innovationsstandort. Mehr als 50 Startups und Coworking Spaces öffnen dann zwei Tage lang ihre Türen und vor allem auswärtige Investoren bekommen in kürzester Zeit einen Überblick. Mit der Reihe „Fuck Up Nights“ gibt es zudem eine Bühne für Gründergeschichten vom Scheitern – auch darüber gilt es zu sprechen auf dem Weg zum erfolgreichen Start-up.

3 Fragen an... Eric Weber, Geschäftsführer und Mitgründer bei SpinLab – The HHL Accelerator

1.  Was sind für Sie die besten Gründe fürs Gründen?

Gründen ist die beste Möglichkeit zum Lernen. Während man in großen Unternehmen nur einen Aufgabenbereich hat, sind bei Gründern Universaltalente gefragt. Es gibt wohl keinen anderen Bereich, wo man in so kurzer Zeit so viel lernt wie als Gründer. Zudem hat man die volle Freiheit und Entscheidungsgewalt, mit allen Vorzügen und Nachteilen, die damit verbunden sind. Insgesamt ist Gründen auch eine Art der Selbstverwirklichung.

2.  Was macht Leipzig zu einem guten Ort für Gründer?

Leipzig ist eine tolle und grüne Großstadt mit einem vertretbaren Kostenniveau und kurzen Wegen. Hier leben und arbeiten viele innovative und gut ausgebildete Leute aus aller Welt. Zugleich ist die Leipziger Gründerszene gut vernetzt und hat in den letzten Jahren enorm an Masse und Qualität zugelegt. Es ist sicher auch ganz nett, dass Leipzig nahe an Berlin liegt und sehr gut an München, Frankfurt und Hamburg angebunden ist. Leipzig ist zudem die wichtigste Metropole im Raum Mitteldeutschland und hat hohe Attraktivität für Menschen, Firmen und Ideen aus dieser gesamten Region. Gerade weil Leipzig so ein guter Gründerstandort ist, wurden wir mit dem Smart Infrastructure Hub gemeinsam mit Dresden als einer der zwölf deutschen digitalen Leuchtturmstandorte im Rahmen der Digital Hub Initiative des BMWi ausgewählt

3.  Wie unterstützt das SpinLab Gründer?

Neben einem intensiven Coaching profitieren die Gründerteams von einem hochkarätig besetzten Mentorenprogramm und zahlreichen Kontakten zu Investoren, etablierten Unternehmen und anderen Gründern. Sie können auf dem Kreativgelände der Leipziger Baumwollspinnerei ein modern ausgestattetes Coworking-Büro nutzen und erhalten Zugang zu verschiedenen Technologien von Partnern. Auch nach Programmende werden die ausgewählten Start-ups beim Personal-Recruiting unterstützt, können über ein internationales Austauschprogramm die Expansion planen und erhalten die Möglichkeit, direkt neben dem SpinLab Büroräume anzumieten. Die Gründer können mit der Aufnahme in das 6-monatige Programm alle Angebote kostenfrei und ohne Beteiligung nutzen, erhalten sogar bis zu 15.000 Euro.

Eric Weber @Tom Werner

Eric Weber ist seit 2015 Geschäftsführer und Mitgründer bei SpinLab – The HHL Accelerator. Zuvor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Gründerberater an der HHL und bei der Erdgas-Consult GmbH tätig. An der HHL promovierte er im Bereich Entrepreneurship und Innovationsmanagement.