Future Meeting Space revisited – Impulse aus dem Innovationskatalog
Impulse aus dem Innovationskatalog
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Im Jahr 2015 veröffentlichte der Innovationsverbund „Future Meeting Space“ (FMS) – eine gemeinsame Initiative des GCB und des Fraunhofer IAO –einen umfassenden Katalog mit über 100 technologischen, gesellschaftlichen und infrastrukturellen Innovationen, die die Veranstaltungswelt bis 2030 prägen sollten. Zehn Jahre später lohnt sich ein kritischer Blick: Welche Visionen wurden Realität? Und welche blieben Wunschdenken?
Volltreffer: Diese Innovationen haben sich durchgesetzt
Hybride Veranstaltungsformate & virtuelle Präsenz
Bereits in frühen FMS-Forschungsphasen wurde erwartet, dass sich Veranstaltungen zu nahtlosen hybriden Erlebnissen entwickeln würden, unterstützt durch Technologien wie Telepräsenzroboter, Hologramme und interaktive Streaming-Plattformen.
Heute sind hybride Formate branchenübergreifend etabliert. Internationale Events wie der Web Summit oder die re:publica setzen auf digitale Parallelangebote mit Remote-Networking und Live-Interaktion. Unternehmen nutzen hybride Modelle für globale Meetings, Schulungen und Produktlaunches mit Plattformen wie Zoom, Teams oder Hopin. Telepräsenzlösungen und Hologramme hingegen bleiben zwar Spezialanwendungen, kommen aber zunehmend bei Keynotes und barrierefreien Formaten zum Einsatz.
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Digitale Future Meeting Space Ergebnispräsentation 2022.
Wearables & Smart Devices
Tragbare Technologien wie Smartwatches schätzten die FMS-Expert*innen im Innovationskatalog als Schlüssel zur Verbesserung des Eventerlebnisses mit Echtzeitinformationen, intuitiver Navigation und freihändiger Interaktion ein.
Heute sind Smartwatches aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. In Veranstaltungsumgebungen unterstützen sie Teilnehmende bei der Orientierung, liefern personalisierte Agenden und ermöglichen kontaktloses Einchecken. Funktionen, die darüber hinausgehen, sind im Eventbereich derzeit jedoch noch nicht weit verbreitet.
Gamification & neue Didaktikformate
Schon früh wurde diskutiert, wie spielerische Elemente und innovative Präsentationsformate das Lernerlebnis auf Events bereichern könnten. Heute sind Formate wie BarCamps, Pecha Kucha, LEGO® SERIOUS PLAY® oder City Hunts fester Bestandteil vieler Veranstaltungskonzepte. Gamification-Elemente wie App-basierte Quests, Punktesysteme oder interaktive Challenges steigern die Motivation, fördern Networking und machen Messebesuche wie Lernformate erlebbar.
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Future Meeting Space in Kopenhagen : LEGO® SERIOUS PLAY® als Workshop Format unseres Forschungstreffens.
Nachhaltigkeit & Umweltbewusstsein
Frühere FMS-Szenarien gingen davon aus, dass nachhaltige Aspekte wie energieeffiziente Gebäude, ressourcenschonende Materialien und CO₂-reduzierte Mobilitätskonzepte künftig stärker in die Planung von Veranstaltungen einfließen würden.
Heutzutage ist Nachhaltigkeit in vielen Bereichen der Veranstaltungswelt, sowohl bei Teilnehmenden als auch bei Auftraggebern und Partnern, fest verankert. Veranstaltungsorte verfügen über Klimaneutralitätszertifizierungen und setzen damit neue Maßstäbe. Die Erfassung und Kompensation von CO₂-Emissionen ist in vielen Eventkonzepten Standard. Auch bei Catering, Materialeinsatz und Mobilität stehen umweltfreundliche Lösungen im Fokus.
Multimodale und nachhaltige Mobilität & Carsharing
Mobilität spielt seit jeher eine zentrale Rolle in der Veranstaltungsplanung, insbesondere im Hinblick auf Erreichbarkeit, Nachhaltigkeit und Besucherkomfort. Früh wurde prognostiziert, dass integrierte Lösungen aus öffentlichem Nahverkehr, Carsharing und alternativen Verkehrsmitteln die Anreise erleichtern und Emissionen reduzieren könnten.
In vielen Städten ermöglichen heute Apps wie Jelbi, Google Maps und Citymapper die Kombination von ÖPNV, Carsharing, E-Scootern und Fahrrädern in einer Oberfläche.
Auch im Veranstaltungsbereich wächst das Interesse an nachhaltiger Mobilität: Einige Eventplattformen und Veranstalter integrieren Mobilitätsoptionen bereits in ihre Registrierung oder Kommunikation, insbesondere bei internationalen oder umweltbewussten Events entstehen regelmäßig Kooperationen mit Verkehrsunternehmen.
Inspirierend, aber (noch) nicht umgesetzt
Nicht jede technologische Idee hat den Sprung in die Veranstaltungsrealität geschafft. Einige Konzepte blieben bislang Vision, aus technischen, ethischen oder praktischen Gründen.
Chip-Implantate zur Zugangskontrolle
Die Idee, RFID-Chips unter der Haut als Eintrittskarte oder Zahlungsmittel zu nutzen, wurde vor einigen Jahren intensiv diskutiert. In der Praxis scheiterte sie jedoch an ethischen Bedenken und Datenschutzfragen. Heute dominieren kontaktlose Alternativen wie NFC-Badges, QR-Codes oder Gesichtserkennung.
Makr Shakr – Roboter als Barkeeper
Roboter, die Cocktails mixen, sind technisch längst möglich. Dennoch sind sie auf Events selten zu sehen. Der soziale Aspekt und die persönliche Interaktion an der Bar bleiben zentrale Bestandteile des Eventerlebnisses.
Google Glass & Cicret Bracelet
Augmented-Reality-Brillen und Projektionsarmbänder sollten neue Formen der Interaktion ermöglichen. Google Glass wurde eingestellt, das Cicret Bracelet blieb ein Prototyp. Stattdessen setzten sich AR-Anwendungen über Smartphones und moderne Headsets wie Apple Vision Pro durch.
Autonomes Fahren auf Events
Selbstfahrende Fahrzeuge für den Transport auf Messegeländen waren ein vielversprechendes Szenario. Trotz technischer Fortschritte verhindern rechtliche und infrastrukturelle Hürden bislang den breiten Einsatz. Pilotprojekte laufen aktuell, daher steht der Durchbruch noch aus.
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Beispielhaftes Foto von einem autonom fahrenden Auto.
Virtuelle Fenster & Nebel-Projektoren
Die Idee, fensterlose Räume durch virtuelle Fenster oder Nebelprojektionen aufzuwerten, bleibt spannend, ist aber bislang zu kostenintensiv und technisch aufwendig für den breiten Einsatz. Anwendungen finden sich vor allem in Showcases und Spezialformaten.
Fazit: Visionär, aber nicht utopisch
Die Veranstaltungswelt hat in den letzten Jahren enorme Innovationssprünge gemacht. Viele frühere Visionen sind heute gelebte Praxis. Gleichzeitig zeigt sich, dass sich nicht jede Idee technisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich umsetzen lässt. Dennoch bleibt der Innovations-Katalog von Future Meeting Space ein beeindruckendes Beispiel für strategische Zukunftsforschung.
Wer sich selbst ein Bild machen möchte, der Innovationskatalog aus dem Jahr 2015 ist hier (in Auszügen) erhältlich.
Auf Anfrage beim GCB-Team gibt es für alle Nerds, die es genauer wissen wollen, auch die vollständige Version.
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