13 Januar 2020

Visionär, Humanist, Weltbürger – Beethoven inspiriert bis heute

Von Matthias Schultze, German Convention Bureau

Einer der meistgespielten Komponisten der Welt feiert in diesem Jahr seinen 250. Geburtstag: Ludwig van Beethoven. So vielfältig sein Oeuvre auch ist, so können uns insbesondere der Charakter und die Strahlkraft seiner letzten vollendeten Sinfonie – der 9. – auch heute noch inspirieren, Grenzen zu überwinden und neue Wege auszutesten.

Innovatives Format statt „business as usual”

Beethoven wirkte vor 200 Jahren als wichtiger Impulsgeber: Eine Sinfonie mit einem Chorsatz verbinden? Warum nicht, schien er sich zu denken, und schuf damit etwas nie Dagewesenes, das Generationen von Komponisten beeinflussen sollte: die Sinfoniekantate. Der berühmte Text zur Sinfonie stammt übrigens von Beethovens Zeitgenosse Friedrich Schiller, den dieser im Gedicht „An die Freude“ rund 40 Jahre zuvor verewigt hatte. Auch in der Welt von Tagungen, Kongressen und Events müssen wir uns stetig weiterentwickeln. Mit reiner Frontalbeschallung und „business as usual“ lassen sich die Ziele einer Veranstaltung – ob Wissenstransfer oder Netzwerken – heute nicht mehr erreichen. Das optimale Teilnehmererlebnis erfordert Kreativität. Hinzu kommen Megatrends wie Digitalisierung oder Nachhaltigkeit, die wir mit smarten Ideen und innovativen Formaten gestalten müssen.

Grenzen überwinden

Die 9. Sinfonie von Beethoven prägte nicht nur eine neue Form der Komposition, sondern fungierte im Laufe der Zeit bei zahlreichen Anlässen als musikalisches Symbol der Verbindung – sowohl auf deutscher, aber auch auf europäischer und internationaler Ebene.

So traten während der Teilung Deutschlands Sportler*innen der Bundesrepublik und der DDR bei den Olympischen Spielen 1956 bis 1964 als gesamtdeutsche Mannschaft an. In Ermangelung einer gemeinsamen Hymne nutzten sie dafür die „Ode an die Freude“. Fast drei Jahrzehnte später erklang die 9. Sinfonie auch beim letzten Staatsakt der DDR am Vorabend der deutschen Wiedervereinigung in Berlin.

Für die Gemeinschaft der europäischen Staaten besitzt „die Neunte“ ebenfalls herausragende Bedeutung: Schon in den 1970er Jahren erklärte der Europarat das Hauptthema des letzten Satzes zu seiner Hymne, 1985 schließlich wurde es zur offiziellen Europahymne bestimmt.

Das Werk wird von Orchestern weltweit zu besonderen Anlässen wie dem Neujahrstag gespielt und kann heute wohl als eines der zentralen Leitmotive für Frieden und Völkerverständigung bezeichnet werden.

Veranstaltungen verbinden

Tagungen, Kongresse und Events sind Plattformen für den Austausch von Erfahrungen und Ideen. Sie können – ganz im Geiste der „Ode an die Freude“ – Grenzen überwinden und Menschen verbinden. Nicht jede neue Idee muss allerdings sofort „the next big thing“ und perfekt ausgereift sein. Auch ausprobieren, nachjustieren und verbessern sind erfolgversprechende Pfade zu Innovation. Entscheidend ist, sich auf den Weg zu machen und auch einmal den Mut zu haben, eine Sinfoniekantate zu komponieren, obwohl jede*r ein reines Orchesterstück erwartet.

In diesem Sinne: Freuen wir uns auf ein inspirierendes und musikalisches Beethoven-Jahr 2020, in dem wir gemeinsam so manche Grenze hinter uns lassen!

Wer mehr erfahren will: Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) startet zum Jubiläumsjahr 2020 eine weltweite Themenkampagne „Discover Beethoven“.