Kontext schafft Mehrwert
Wie wissenschaftliche und wirtschaftliche Standortkompetenzen für Veranstalter sichtbar werden
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Die Welt von Business Events verfügt heute über mehr Daten als jemals zuvor. Informationen zu Veranstaltungsorten, Kapazitäten, Erreichbarkeit, Hotelangeboten oder Nachhaltigkeitsleistungen sind in großer Zahl zugänglich. Doch der eigentliche Mehrwert entsteht erst dann, wenn unterschiedliche Datenquellen miteinander verknüpft und in einen sinnvollen Kontext gesetzt werden.
Gerade im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz gewinnt dieser Gedanke zusätzlich an Bedeutung. KI-Systeme können nur dann relevante Empfehlungen liefern, wenn die zugrunde liegenden Informationen strukturiert, maschinenlesbar und inhaltlich miteinander verbunden sind. Für Veranstalter stellt sich deshalb zunehmend nicht mehr die Frage, ob Daten verfügbar sind, sondern wie sie so zusammengeführt werden können, dass daraus bessere Entscheidungen entstehen.
Ein besonders spannender Anwendungsfall ist die Verknüpfung von Veranstaltungsinfrastruktur mit den wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Kompetenzen einer Destination. Denn dort, wo der thematische Fokus eines Events auf relevante lokale Expertise trifft, entstehen Mehrwerte für alle Beteiligten.
Zur Relevanz von Branchenkompetenzen für Veranstalter
Dass Veranstalter die fachlichen Stärken einer Destination zunehmend als relevant erachten, zeigen aktuelle Ergebnisse des Meeting- & EventBarometers 2025/2026. Auf die Frage, wie Branchenkompetenzen der Destination gezielt eingebunden werden, nennen 64 Prozent der Veranstalter die Initiierung von Kooperationen mit lokalen Forschungseinrichtungen oder Hochschulen. 48 Prozent beziehen darüber hinaus gezielt lokale Branchenakteure in ihre Veranstaltungen ein. Bei der Auswahl einer Destination spielen diese Faktoren ebenfalls eine wichtige Rolle. Werden klassische Standortkriterien wie Erreichbarkeit, Klima, Kapazitäten oder Preis als gleichwertig angenommen, bewerten europäische Veranstalter die Bedeutung weiterer Standortfaktoren mit durchschnittlich 4,2 von 5 Punkten. Veranstalter aus dem Rest der Welt vergeben sogar durchschnittlich 4,4 Punkte.
Auch das „Research Centre for Future Meeting Studies“ von GCB und Fraunhofer IAO untersucht aktuell Auswahlkriterien für Business Events. Die Ergebnisse werden zusätzlichen Aufschluss darüber geben, welche Rolle Branchenkompetenzen und lokale Expertise künftig für die Standortwahl spielen.
Klar ist jedoch schon heute: Dort, wo das Thema der Veranstaltung und die Expertise am Veranstaltungsort Hand in Hand gehen, stärkt dies die inhaltliche Qualität und Relevanz eines Events. Lokale Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Innovationstreiber oder wissenschaftliche Netzwerke können als Speaker, Exkursionsziele, Projektpartner oder Impulsgeber einen erheblichen Mehrwert schaffen – gerade bei wissensintensiven Formaten wie Fachkongressen, Verbandsveranstaltungen oder wissenschaftlichen Konferenzen kann die Anbindung an die fachlichen Stärken einer Destination die Attraktivität des Programms deutlich erhöhen.
Hoher Impact für Destinationen
Die Veranstaltungen und ihre Teilnehmer*innen profitieren also enorm von der Vernetzung mit lokaler Expertise. Umgekehrt entfalten entsprechende Veranstaltungen potenziell ebenso große Wirkungen in den gastgebenden Destinationen. Dazu zählen unter anderem die folgenden vier Aspekte:
- Die Vernetzung mit Expert*innen aus aller Welt kann erhebliche positive Effekte auf wirtschaftliche und technologische Innovation sowie auf wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn am Standort haben.
- Die lokale Expertise in Wirtschaft und Wissenschaft, die während des Events beispielsweise durch Vorträge, Panels, Workshops oder Exkursionen sichtbar wird, kann das Interesse potenzieller Fachkräfte wecken und langfristig zur weiteren Stärkung des Standorts beitragen.
- Hochkarätig besetzte Veranstaltungen bieten Mitarbeiter*innen vor Ort sowie Studierenden und Young Professionals die Gelegenheit, ohne zusätzlichen Reiseaufwand von führenden Expert*innen ihres Fachgebiets zu lernen und wertvolle Kontakte zu knüpfen.
- Die erhöhte Sichtbarkeit einer Destination im Umfeld einer national oder international profilierten Fachveranstaltung kann Investitionen anziehen und das Wachstum wichtiger Zukunftsbranchen unterstützen.
Business Events entwickeln sich dadurch zunehmend zu strategischen Plattformen für Wissensaustausch, Innovation und Standortentwicklung. Ihr Wert bemisst sich nicht allein an Übernachtungen, Wertschöpfung oder Teilnehmerzahlen. Vielmehr können sie Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammenbringen und Impulse für die langfristige Entwicklung einer Region setzen. Dieser Aspekt gewinnt international seit Jahren an Bedeutung und rückt die Frage in den Mittelpunkt, welche dauerhaften Wirkungen Veranstaltungen über den eigentlichen Veranstaltungszeitraum hinaus entfalten.
Beispiele aus dem neuen IMEX-Whitepaper „Place Leadership and the Business Events Sector“ zeigen eindrucksvoll, wie der Eventsektor mit wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Schwerpunkten einer Destination strategisch verzahnt werden kann: Business Events werden dabei zunehmend als Instrument strategischer Standortentwicklung verstanden. Destinationen orientieren ihre Akquiseaktivitäten zunehmend an vorhandenen Forschungs- und Branchenkompetenzen und nutzen diese als Grundlage für die Auswahl und Entwicklung neuer Veranstaltungen. Ziel ist nicht allein die Gewinnung von Events, sondern die Schaffung langfristiger Mehrwerte für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.
Die Autor*innen des IMEX-Whitepapers begreifen die Verknüpfung des lokalen Umfelds von Business Events mit den wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Prioritäten einer Destination als einen zentralen Bestandteil von Place Leadership: "Bidding decisions, acquisition priorities and programming choices should be oriented towards priority industrial clusters, research and academic ecosystems, and investment attraction narratives." Oder anders formuliert: Events entwickeln sich von isolierten Erfolgsprojekten zu Bausteinen einer langfristigen Strategie.
Die Meetings Ecosystem Map des GCB
Um die bis hierhin beschriebenen Potenziale der Verbindung von MICE-Angeboten und regionaler Expertise systematisch nutzbar zu machen, hat das GCB im Sommer 2026 die neue „Meetings Ecosystem Map" (MEM) an den Start gebracht. Die MEM ist ein datenbasierter, interaktiver Zugang zur deutschen Veranstaltungslandschaft und visualisiert, was bislang häufig nur durch aufwendige Einzelrecherchen erkennbar war: die Verbindung zwischen den fachlichen Stärken einer Region und ihrem Angebot als Veranstaltungsstandort. Sie schafft damit eine neue Transparenz für Veranstalter und unterstützt dabei, Destinationen nicht nur nach infrastrukturellen Kriterien, sondern auch nach ihrer thematischen Passfähigkeit auszuwählen.
Die MEM ist zunächst als Minimum Viable Product (MVP) mit den Mitgliederprofilen des GCB verfügbar und wird schrittweise erweitert. Geplant ist sowohl eine größere Datentiefe als auch die Integration zusätzlicher Anwendungsfälle. Bereits heute sind rund 4.400 Forschungsinstitutionen in Deutschland in der interaktiven Karte abgebildet.
© GCB
Wie funktioniert die MEM?
1. Suche starten: Der Einstieg erfolgt über konkrete Anbieter, Standorte oder Forschungsschwerpunkte und ermöglicht einen schnellen Zugang zu relevanten Ergebnissen.
2. Ergebnisse eingrenzen: Filter nach Standort, Umkreis und Infrastruktur sowie die Auswahl unterschiedlicher MICE-Kategorien helfen dabei, die Suche gezielt zu verfeinern.
3. Auswahl verfeinern: Zusätzliche Filter wie Kapazitäten oder Ausstellungsflächen können mit fachlichen Schwerpunkten und Forschungskompetenzen kombiniert werden.
4. Ergebnisse erkunden: Die interaktive Karte passt sich dynamisch an die gewählten Kriterien an und ermöglicht eine explorative Analyse möglicher Veranstaltungsorte.
5. Details prüfen: Detaillierte Anbieterprofile liefern weiterführende Informationen für die konkrete Veranstaltungsplanung.
Von Daten zu Wissen
Die Meetings Ecosystem Map zeigt beispielhaft, welches Potenzial in der intelligenten Verknüpfung unterschiedlicher Datenquellen liegt. Informationen über Forschungsinstitutionen, Veranstaltungsstätten, Hotels oder Dienstleister sind für sich genommen bereits wertvoll. Ihren eigentlichen Nutzen entfalten sie jedoch erst dann, wenn Beziehungen zwischen diesen Daten sichtbar werden. Genau diese Verbindung verwandelt einzelne Datensätze in entscheidungsrelevantes Wissen. Veranstalter erhalten dadurch nicht nur Antworten auf die Frage, wo eine Veranstaltung stattfinden kann, sondern auch darauf, warum eine Destination für ein bestimmtes Thema besonders geeignet sein könnte.
Die MEM ist ein Beispiel für den Nutzen, den die Kontextualisierung von Daten und die Verknüpfung unterschiedlicher Informationen schaffen können. Dieses Prinzip steht auch hinter dem Projekt Open Data MICE, das das GCB gemeinsam mit der Deutschen Zentrale für Tourismus intensiv vorantreibt. Ziel von Open Data MICE ist es, Informationen aus der Veranstaltungswirtschaft strukturiert, standardisiert und maschinenlesbar verfügbar zu machen.
Gerade im Zeitalter generativer KI gewinnt dieser Aspekt erheblich an Bedeutung. KI-Systeme benötigen strukturierte Daten, um relevante und belastbare Antworten liefern zu können. Wenn Veranstaltungsstätten, Kongresszentren, Hotels, Dienstleister, Forschungsinstitutionen und Branchenkompetenzen digital miteinander verknüpft sind, entstehen völlig neue Möglichkeiten der Informationssuche und Entscheidungsunterstützung. Für Veranstalter bedeutet dies perspektivisch einen deutlich schnelleren Zugang zu relevanten Informationen. Statt zahlreiche Quellen einzeln auswerten zu müssen, können Zusammenhänge automatisiert erkannt und passende Empfehlungen generiert werden.
Für Destinationen eröffnet sich gleichzeitig die Chance, ihre Sichtbarkeit in einer zunehmend KI-gestützten Informationswelt zu stärken und ihre fachlichen Alleinstellungsmerkmale gezielter sichtbar zu machen. Wer künftig in datengetriebenen Such- und Empfehlungssystemen gefunden werden möchte, benötigt nicht nur gute Inhalte, sondern auch strukturierte und miteinander verknüpfte Daten.
Ausblick
Die MEM ist deshalb weit mehr als ein neues Recherchetool. Sie steht exemplarisch für die Richtung, in die sich das Umfeld von Business Events entwickelt: weg von isolierten Informationen, hin zu vernetzten Datenökosystemen, die bessere Entscheidungen ermöglichen und neue Wertschöpfung schaffen.
Für das GCB ist dies ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem intelligenteren, datenbasierten Tagungs- und Kongressstandort Deutschland. Denn je besser es gelingt, Veranstaltungsinfrastruktur, Branchenkompetenzen und digitale Datenräume miteinander zu verbinden, desto größer wird der Mehrwert für Veranstalter, Destinationen und letztlich auch für die Teilnehmenden selbst. Die Zukunft gehört nicht den Daten allein. Sie gehört den Zusammenhängen, die wir daraus sichtbar machen.
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