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29 Nov 2018

Von der Landwirtschaft zur Eventbranche: Einsatzbereiche und Potentiale von AR & VR

Autor: Jannis Vogel, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Osnabrück

Die digitale Transformation beeinflusst die Eventbranche zunehmend. Ein grundlegendes Verständnis von digitalen Technologien und deren Einsatzmöglichkeiten ist gefordert, damit diese effektiv eingesetzt werden können. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter promoviere ich im Bereich der erweiterten und virtuellen Realitäten und verfasste im Projekt IT 4 Green Events Whitepaper zu Digitale Events und Event Technologie Trends. Neben der digitalen Unterstützung von Events forscht die Universität Osnabrück seit 2014 mit den Projekten Glassroom und Glasshouse zum Thema erweiterte und virtuelle Realitäten und deren Wirkung auf die Arbeitswelt, Prozesse und Geschäftsmodelle. Erkenntnisse aus diesen Projekten sowie deren Auswirkung auf die Eventbranche erfahren Sie in diesem Artikel.

Serviceprozessunterstützung mit Augmented Reality

Smart Glasses wie die Google Glass, Vuzix M300 oder Epson Moverio BT-350 blenden zusätzliche Informationen im Sichtfeld des Nutzers ein. Damit erweitern Sie die Realität um virtuelle Inhalte, was die einfachste Definition von Augmented Reality (AR) darstellt. Neben Smart Glasses können AR-fähige Smartphones und Tablets oder hoch performante AR Glasses wie die HoloLens oder Meta2 den Nutzer AR-Inhalte auf verschiedenste Weise anzeigen. Im Eventbereich sind derzeitig einfache AR-Anwendungen oftmals für Tablets oder Smartphones für den Eventteilnehmer zur Steigerung der Interaktivität konzipiert.

Das AR-Anwendungen mehr als nur ein Gimmick sein können zeigt ein Anwendungsfall aus der Landwirtschaft. Im Forschungsprojekt Glassroom stand ein Landmaschinenhersteller vor der Herausforderung, dass nur zwei Mitarbeiter Wissen über Wartung einer Maschine hatten, sodass Servicetechniker aus aller Welt zum Weiterbildungsstandort nach Deutschland flogen, um die komplizierten Wartungsprozesse zu erlernen. Mittels Smart Glasses konnte das Problem gelöst werden. Erfahrende Techniker können mit den Datenbrillen Serviceprozesse aufnehmen und Technikern weltweit zur Verfügung stellen. Diese haben ebenfalls Smart Glasses auf, um die Informationen zum Wartungsprozess in Ihrem Sichtfeld eingeblendet zu bekommen. Ein Vorteil gegenüber Smartphones: Durch die Brillen haben sie beide Hände frei.

Welche Erkenntnisse können auf die Eventbranche übertragen werden?

Wichtig ist bei der Entwicklung von AR-Anwendungen die Berücksichtigung des Problems und der Nützlichkeit. Eine Anwendung, die kein direktes Problem adressiert, wird im unternehmerischen Umfeld nur schwer einen langfristigen Erfolg finden.

Und was ist in Zukunft vorstellbar in der Eventbranche? 

Jannis Vogel

Jannis Vogel ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Osnabrück beim Fachgebiet Informationsmanagement und Wirtschaftsinformatik. Er studierte Wirtschaftsinformatik und ist derzeit Doktorand im Oktober gestarteten Graduiertenkolleg va-eva, das im Bereich Vertrauen und Akzeptanz in erweiterten und virtuellen Arbeitswelten forscht. Seine Schwerpunkte hierbei sind die Konzeption und Entwicklung von AR & VR Anwendungen zur Serviceverbesserung und die Entwicklung der zugehörigen Geschäftsmodelle. Zuvor entwickelte er Lehrinhalte für die Eventbranche zur Durchführung von nachhaltigen, digitalen Events im DBU-geförderten Projekt IT 4 Green Events.

Insbesondere Messen mit Exponaten wie Autos oder Technik sind für AR-Anwendungen gut geeignet, da komplexe Inhalte mittels AR verständlich dargestellt werden können. Auch die Verwendung von AR zur Navigation auf Kongressen und Messen und zur Generierung weiterer Sponsoringfläche sind weitere denkbare Einsatzszenarien. Bei hybriden Events können AR-Anwendungen die Technologie zur Verschmelzung von digitalen und realen Events sein, sodass Eventteilnehmer während des Events sich ebenso mit den Offline-Teilnehmern vernetzen können. Bisher ist eine breite Anwendung von AR innerhalb von Events nicht die Regel, doch neue Anwendungsfälle aus unterschiedlichen Bereichen treffen auch auf die Branche. Dennoch ist weiterer Forschungsbedarf notwendig, um praxisnahe Anwendungsfälle zu identifizieren und umzusetzen.

Aus- und Weiterbildung in Virtual Reality

Der Anwendungsfall aus der Landwirtschaft war ebenso für die virtuelle Realität tauglich. Hier stand jedoch die Aus- und Weiterbildung im Fokus. In der virtuellen Realität wird die Wirklichkeit komplett ausgeblendet, sodass sich der Nutzer ausschließlich in der kreierten Welt befindet, sich umschauen und mit Controllern interagieren kann. Die Landmaschine wurde zusammen mit einer Halle in die virtuelle Realität übertragen. In der virtuellen Welt können nun Servicetechniker in der Aus- und Weiterbildung mit einer VR-Brille selbständig Wartungsprozesse durchführen. Dadurch können Szenarien abgebildet werden, die in der Realität nur schwer möglich sind. Beispielsweise können Techniker in der virtuellen Realität einen Tank reparieren, der sonst nur schwer zugänglich ist.

Virtueller Messestand IT 4 Green Events

Welche Erkenntnisse können auf die Eventbranche übertragen werden?

Virtual Reality eignet sich insbesondere für Szenarien, die in der Realität nur schwer abbildbar sind. Ferner ermöglicht es dem Nutzer ortunabhängig eine neue Welt zu betreten, sodass beispielsweise Tagungs- und Kongresshäuser ihre Räumlichkeiten beim Kunden vor Ort in VR präsentieren können. Alternativ kann die virtuelle Welt verwendet werden, um den Teilnehmer auf Veranstaltungen neue Experiences zu ermöglichen.

Und was ist in Zukunft vorstellbar in der Eventbranche?

Virtuelle Events! Seit Ende des Jahres findet eine stärkere Verbreitung von sogenannten Standalone VR Headsets statt, die die Verwendung der virtuellen Realität schon ab 200 Euro unkompliziert ermöglichen. Das virtuelle Events eine Daseinsberechtigung haben, zeigen bereits virtuelle Messeportale in denen sich der Nutzer über den Aussteller informieren und mittels Chat in Kontakt treten kann. In der virtuellen Welt wird die Interaktion durch direkten Sprachaustausch, 3D Objekte, Avatare und Audio ein noch stärkeres immersives Erlebnis erzeugen. Ungewiss ist, ob virtuelle Events dadurch weiterhin eine Nutzerakzeptanz finden. Dies hängt im Wesentlichen von der Verbreitung und Leistungsfähigkeit der VR-Endgeräte ab.

Fazit

Wirksame Augmented und Virtual Reality Anwendungen aus den Bereichen der Konstruktion, Planung, Aus- und Weiterbildung, Serviceprozessunterstützung, Gamification und Kommunikation werden zunehmend auch einen Einfluss auf die Eventbranche haben. Der Einsatz dieser Technologien kann neue Möglichkeiten und Potenziale in der Eventbranche eröffnen. Dabei sollten jedoch das adressierte Problem, die gewonnene Nützlichkeit und der Endanwender im Vordergrund bei der Gestaltung und Entwicklung stehen.