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Geschichte, Gastfreundschaft und Gruben-Dinner: Das gibt’s nur in Deutschland


Ralph Knoblauch
Spätestens seit der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft™ 2006 schwimmt die MICE-Destination Deutschland auf einer Welle des Erfolgs und der Sympathie. Städte wie Berlin, Frankfurt/Main, München, Düsseldorf und Dresden stehen auf der Hot List internationaler Veranstalter ganz oben. Doch was genau ist es, das Deutschland für ausländische Planer so unwiderstehlich macht? Das GCB fragte nach.

Drei Fragen an: Ralph Knoblauch
Manager Corporate Groups & Events Deutschland, Österreich und Schweiz bei American Express Int.

GCB: Herr Knoblauch, Ihre Erfahrung mit der Planung, Organisation und Durchführung von Kundenveranstaltungen reicht einmal um den gesamten Erdball. Was spricht für Sie für die MICE-Destination Deutschland?
Knoblauch: In den letzten Jahren hat sich der Bereich Veranstaltungsmanagement und Mitarbeiter-Motivation dahingehend verändert, dass nicht mehr die Destination im Vordergrund steht – je weiter weg, desto besser. Heute stehen Corporate Social Responsibility, Nachhaltigkeit und Inhalte im Vordergrund. Heute gibt die Hilfe beim Aufbau einer Kindertagesstätte den Menschen ein besseres Gefühl als eine Reise nach Mauritius.
Und natürlich spielt auch das Thema Reisekosten eine Rolle: Viele Unternehmen wollen aufgrund der Kosten nicht mehr so weit weg. Motto: Ich spare lieber an den Reisekosten und investiere in die Inhalte.
GCB: Worin unterscheidet sich Deutschland von anderen Destinationen?
Knoblauch: Deutschland ist aufgrund seiner Infrastruktur und Service-Mentalität hervorragend geeignet für Veranstaltungen. Warum? Da ist einmal die deutsche Korrektheit und Genauigkeit, die aus dem deutschen Ingenieurswesen stammen und sich in der Dienstleistungsmentalität niederschlagen: Wir sind zuverlässig wie ein Uhrwerk. In Deutschland braucht man keine zeitlichen Puffer einzubauen. Und eben diese Zuverlässigkeit ist ein zentrales Kriterium im Bereich Veranstaltungsmanagement. Hinzu kommt die einmalige Vielfalt in Gestalt unserer Hotellerie, der Direktanbindungen innerhalb Deutschlands und in Europa bis hin zur täglichen Intercontinental-Verbindung.
GCB: Das klingt nicht gerade nach Spaß.
Knoblauch: Die Wirtschaftsdestination Deutschland wurde immer gesehen als Destination für Tagungen und Meetings. Aber sie ist mindestens ebenso geeignet für Incentives und Events. Schließlich gibt es in Deutschland nichts, was es nicht gibt und es gibt nichts, was es nur woanders gibt. Wir haben Berge und Meer, Tiefebenen, Wälder und Flüsse. In Deutschland kann man so abstruse Sachen machen wie Ballooning und Hundeschlittenrennen. Und wenn ich Iglus bauen will, dann gehe ich auf die Zugspitze. Es gibt rustikal und mondän, kosmopolitisch und basic und pompös. Deutschland ist nicht nur High Quality, sondern auch Simply Fun.

Drei Fragen an: Diana Katz
US-Fachjournalistin mit Sitz in New York

GCB: Ms. Katz, warum empfehlen Sie Ihren Lesern Deutschland für Ihre Veranstaltungen?
Katz: Deutsche und Amerikaner sind einander ähnlicher als alle anderen Nationen. Wir haben die gleichen Werte hinsichtlich Innovation, Globalisierung und „green“. Etwa 43 Millionen Amerikaner haben deutsche Vorfahren. Ein „Ja“ ist in Deutschland ein „Ja“ und ein „Nein“ ist ein „Nein“. Es gibt also ein natürliches Verständnis zwischen den Menschen. Außerdem schätzen wir den deutschen Sinn für Innovationen. Zum Beispiel in puncto Ökologie, wo die Deutschen den Amerikanern weit voraus sind. Das interessiert die Amerikaner. Sie hoffen, von Deutschland zu lernen, wie man „grün“ sehr effektiv handhaben kann und dass „grün“ nicht unbedingt teurer ist. Das gibt ihnen ein gutes Gefühl.
GCB: Welches Bild haben die Amerikaner derzeit von Deutschland?
Katz: Im Gegensatz zu den Amerikanern sind die Deutschen sehr gründlich. Die Effizienz – das ist das Bild, das die Amerikaner sehen. Was sie derzeit noch nicht sehen, ist die Gastfreundschaft und Wärme der Deutschen. Dabei bieten die Deutschen einen super Service: sehr warm und durchgängig. Wenn die Deutschen einem den roten Teppich ausrollen, dann geht das über das Hotel und das Konferenz-Center hinaus. Denn die Deutschen lieben es, eine gute Zeit zu haben und sie wollen, dass man mitmacht. Diese Kombination ist faszinierend.
GCB: Effizienz und Gastfreundschaft sind also die Schlüssel für Deutschlands Erfolg?
Katz: Ein Konferenz-Center allein ist nicht der Grund, um die Staaten zu verlassen und nach Deutschland zu gehen. Es ist das Abenteuer Berlin. Berlin ist heiß: seine Museen, die Kunst, die Geschichte. Oder die Kultiviertheit und Behaglichkeit „kleiner“ Städte wie Düsseldorf. Die Qualität traditioneller und brandneuer Infrastruktur. Vielleicht auch noch das geballte Wissen an den Universitäten. Vor allem aber sind es die sagenhafte Infrastruktur und die Flughäfen. Schauen Sie sich Airports wie JFK in New York City einmal an: Das sind doch Dritte-Welt-Flughäfen!

Drei Fragen an: Cecil Burdick
Regional Director HelmsBriscoe mit Sitz in Houston, Texas

GCB: Mr. Burdick, mit mehr als 750 Partnern in 31 Ländern ist HelmsBriscoe der weltweit größte Locationsucher, Veranstaltungsplaner und Abnehmer von Hotelkapazitäten. Wie machen Sie Ihren Kunden die Destination Deutschland schmackhaft?
Burdick: Ich habe schon viele große Gruppen nach Deutschland und in die ganze Welt gebracht. Multinationale Gruppen von 2.000 bis 2.500 Teilnehmern über einen Zeitraum von zehn Tagen. Wenn die uns engagieren, dann wollen sie nur das Beste und Geld spielt keine Rolle. Und seit etwa zwei Jahren wollen alle nach Deutschland. Das ist ein dramatischer Wechsel. Ein Beispiel: Ein internationaler Technologiekonzern hat für eine Tagung mit 3.000 Teilnehmern eine passende Destination gesucht. Und obwohl auch Megametropolen wie etwa Sydney auf unserer Vorschlagsliste standen, wollten sie unbedingt nach Berlin. Wegen der Geschichte, wegen des RadissonSAS mit seinem gigantischen Aquarium in der Lobby. Wegen des SonyCenters und dem historischen Gelände dahinter. Und wegen der Trabi-Safari. Ich habe niemals zuvor mehr Spaß bei einem Teambuilding gehabt als bei der Trabi-Safari durch Berlin. So was kannst Du sonst nirgendwo machen. Ihr habt so wenig Regeln!
GCB: Wenig Regeln? In Deutschland?
Burdick: Wenn Sie einmal versucht haben, etwa in Italien ein Incentive auf die Beine zu stellen, dann wissen Sie, wovon ich rede. Deutschland, das bedeutet für uns Planer sehr wenig Stress. Weil die Deutschen es mögen, Spaß zu haben. Viel mehr als die Amerikaner. Die haben gar nicht gelernt zu relaxen. Man redet immer über die Arbeit. Aber in Deutschland lässt Du Deinen Hut nach der Arbeit an der Tür hängen. Wie lautet das Motto des German Convention Bureau: „High Tech – Simply Fun?” Ich finde: Germany is High Tech + Low Stress = Simply Fun.
GCB: Vielen Dank für das Kompliment! Und wie beurteilen Sie als Großabnehmer unser Hotelangebot?
Burdick: Ein Paradies! Deutschland hat so viele Fünf-Sterne-Anlagen. In Amerika fokussieren die Hotelgesellschaften auf Kosten pro Schlafzimmer, nicht auf den Stil, auf das Design. Das ist in Europa ganz anders. Schauen Sie sich das RadissonSAS in Berlin an oder das Radisson in Frankfurt: Das ist eine Scheibe. Oder die herrliche Grandhotellerie! Was viele gar nicht wissen: Die Amerikaner essen kein Frühstück. Aber sie nutzen W-LAN. Deshalb gehen sie in Häuser wie die RadissonSAS-Hotels, wo die Technik vorhanden und alles kostenlos ist. Das ist ein Grund.

Drei Fragen an: Richard John
Fachjournalist RJA – The Coach House mit Sitz im britischen Lincolnshire

GCB: Mr. John, die Briten haben ihr ganz eigenes Bild von den „Krauts“ auf dem Festland. Welche Punkte sprechen Ihrer Ansicht nach für Tagungen und Events in  Deutschland, was sind die Highlights?
John: Für Gruppen aus UK gibt es eine ganze Reihe von Attraktionen in Deutschland: das begeisternde, brodelnde Berlin; die Reichhaltigkeit von Geschichte etwa in Norddeutschland; exzellente Einrichtungen für Messen, Ausstellungen und Kongresse; der Charme eines weinanbauenden Landes; die Winteraktivitäten, die in England immer noch nicht so bekannt sind wie in anderen Ländern; ein sagenhaftes Outdoor-Angebot; die großartige Infrastruktur und die Beförderungsmöglichkeiten sowie die Gelegenheit, die Unterschiede zwischen Ost und West noch immer hautnah zu erleben.
GCB: Ein amerikanischer Kollege hat für Deutschland seine ganz eigene Formel gefunden. Er sagt: “Germany is High Tech what means Low stress which means Simply Fun.” Können Sie dem zustimmen?
John: Ich glaube, dass Deutschland ein ziemliches Hightech-Land ist. Aber den niedrigen Stressfaktor verdanken Planer auch der deutschen Effizienz, der Qualität und einer Kultur, die auf Präzision aufbaut – so things happen when they should!
GCB: Was gefällt Ihnen persönlich am besten?
John: Das hervorragende Essen! Außerdem scheint jedermann perfekt Englisch zu sprechen.

ape, Januar 2008





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